CloosSeit ich in der Primärschule einen radikal bibelgläubigen Religionslehrer hatte der Adam und Eva für die ersten Menschen hielt (und jeden Schüler bestrafte der etwas anderes behauptete) ist mir bewusst, dass die katholische Kirche einen gehörigen Klaps hat. Als Student beschloss ich dann endlich auszutreten. Mein Taufpastor (oder sein Nachfolger) verweigerte mir dies mit der Begründung, dass es sich bei der Taufe um ein „unauslöschliches geistliches Siegel“ handele. Ich habe daher dem damaligen Erzbischof geschrieben, er solle mir bitte mein Exkommunikationszertifikat schicken (da ich dafür die Kriterien erfüllte), warte jedoch heute noch auf eine Antwort. Ob meine Mitmenschen nun an ein, zwei, zehntausend Götter oder ein fliegendes Spaghettimonster glauben ist ihr Problem, ich bin jedoch nicht damit einverstanden, dass ich irgendeinen Glauben mitfinanzieren soll. Ich selbst bin philosophisch dem hellenistischen Gedankengut (Epikurismus, Stoizismus) zugeneigt und würde mich als pragmatischen Agnostiker bezeichnen mit der Ansicht, dass die Frage nach der Existenz einer oder mehreren höheren Instanzen nicht zu beantworten ist und man sich deshalb darüber auch keine weiteren Gedanken machen sollte.

Viele Religionen leben von der Angst der Menschen vor dem Zorn der Götter und lassen sie – wie die katholische Kirche – bereits „schuldig“ auf die Welt kommen. Ich betrachte dies als skandalöse Begrenzung der persönlichen (Entfaltungs-) Freiheiten mit dem Ziel die Gläubigen an die Institution zu binden. Ein laizistischer Staat sollte keiner Glaubensgemeinschaft dabei behilflich sein Minderjährige zu indoktrinieren. Religionskurse gehören nicht in eine Schule. Soll jedoch meiner Ansicht nach jeder glauben was er will, so lange er dadurch nicht die Freiheiten seiner Mitmenschen begrenzt, ungefährlich für die Gesellschaft ist, sein Glauben im Privaten bleibt und seine Glaubensgemeinschaft sich selbst finanziert.